Als Künstlerin und Autorin bin ich fasziniert, besorgt und neugierig zugleich von KI
- San Schaller

- 21. Feb.
- 3 Min. Lesezeit
Als jemand fragte: „Ist das Buch auch KI?“, wusste ich, dass wir in eine neue Ära eingetreten waren. Als Künstlerin und Autorin bin ich fasziniert und zugleich beunruhigt. Wo beginnt authentisches Geschichtenerzählen?

Warum ich weiter experimentiere – aber meine Bücher selbst schreibe
Ich probiere gern neue Techniken aus. KI ist da keine Ausnahme.
Tatsächlich habe ich bereits 2022/2023 mit KI experimentiert – damals noch mit Disco Diffusion. Und vielleicht habe ich mir genau damit ein wenig selbst ins Bein geschossen: Ich nutzte ein KI-generiertes Bild als Buchcover.
Ungünstiger hätte der Zeitpunkt kaum sein können.
Der Shitstorm-Moment
In der deutschsprachigen Indie-Autoren-Bubble war das Thema KI gerade in aller Munde. Und wie das so ist: Die lautesten Stimmen waren die, die sich entschieden dagegen aussprachen – und alle verteufelten, die es auch nur wagten, sich mit der Technik auseinanderzusetzen.
Zur gleichen Zeit änderte Instagram seinen Algorithmus. Das Buch bekam keine Sichtbarkeit. Keine Reichweite. Keine faire Chance.
Ich musste zusehen, wie es floppte.
Tja. So lief das damals. Schade eigentlich.
Heute sehe ich das Cover anders
Ein paar Jahre später finde ich dieses Cover umso spannender.
Es zeigt die Anfänge einer neuen Ära.
Und ausgerechnet dieses Cover schmückt ein Buch, in dem Kreativität verboten ist und mit dem Tod bestraft wird. Dystopisch-epische High Fantasy. Eigentlich ein Thema, das Leser*innen in Scharen hätte anziehen müssen. :))
Aber schauen wir doch mal, wo wir heute stehen – drei Jahre später.
Wir scrollen durch Social Media und wissen längst nicht mehr, was echt ist und was nicht. Wer schießt sich hier eigentlich ins eigene Bein?
Diese leise Stimme im Hinterkopf
Als ich mich damals für das KI-Cover entschied, hörte ich eine leise Stimme.
Sie wollte mir einreden, ich hätte „gesündigt“. Nicht, dass ich besonders gläubig wäre, aber genau dieses Gefühl wurde einem vermittelt.
Als hätte man eine Grenze überschritten.
Doch Tatsache ist: Wer sich nicht mit der Technik auseinandersetzt, lernt auch nicht, verantwortungsvoll damit umzugehen.
Und ganz ehrlich? Dass ich nicht mehr weiß, was real ist und was nicht, hat auch etwas Befreiendes. Ich verbringe weniger Zeit auf Social Media – das ohnehin längst nicht mehr „social“ ist.
Ich stehe zwischen KI und Kunst
Vor Kurzem postete ich einen KI-generierten Clip zur Bewerbung meines nächsten Buches.
Auf TikTok erreichte mich ein Kommentar: „Hey, so is the book AI too?“
Nein. Niemals.
Aber bin ich jetzt verpflichtet, das in jedes Buch zu schreiben?
Oder es auf meiner Website klarzustellen?
Niemals würde ich ein Buch von KI schreiben lassen.
Warum? Weil es für mich nicht dasselbe ist.
Ich muss mit meinen Protagonisten mitleiden.Ich muss ihre Zweifel fühlen. Ihre Entscheidungen durchleben.
Nur dann kann ich sagen: Das ist ein Cas Roman Buch. Hier bekommst du zu 100 % mich.
Warum ich trotzdem weiter mit KI arbeite
Ich experimentiere weiter.
Nicht nur, weil man sonst schnell den Anschluss verliert, sondern auch, weil KI aktuell ein unglaublich spannendes Werkzeug fürs Marketing ist.
Was man dabei aber nicht vergessen darf:
Solche Clips sind nicht gratis.
Sie kosten Geld. Credits. Zeit.
Manchmal klappt es beim ersten Versuch. Manchmal verschlingt es unzählige Credits.
Und trotzdem: Es macht Spaß. Es ist kreativ. Es ist ein neues Spielfeld.
Aber ich will meine Leser*innen nicht damit überschwemmen. Denn ich bin sicher: Es dauert nicht mehr lange, bis wir dieser Clips überdrüssig werden.
Bei mir setzt die Müdigkeit schon ein.
Die Frage nach der Zukunft
Die Antwort war für mich kein Grund zur Angst – sondern ein Grund, mich weiterhin mit der Technologie auseinanderzusetzen.
Denn am Ende geht es vermutlich nicht darum, ob KI gut oder böse ist, sondern darum, wie wir uns dazu positionieren.
Mein Weg zwischen KI und Kunst
Als Autorin und Künstlerin …
schreibe ich alle meine Bücher selbst – weil es mir um das Selbst-Erleben von Geschichten geht, nicht um das bloße Produzieren von Text.
nutze ich KI-Clips ausschließlich für Marketingzwecke.
beschäftige ich mich weiterhin intensiv mit Portraitmalerei – gerade weil der Überfluss an KI-Bildern in mir den Wunsch verstärkt, etwas Einzigartiges und Authentisches zu erschaffen.
Vielleicht ist genau das der Punkt.
KI zwingt uns, uns zu fragen, was uns wirklich wichtig ist.
Und für mich bleibt die Antwort klar: Die Geschichte muss durch mich hindurchgehen. Sonst ist sie nicht meine.

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